Geschrieben von Geraldine (Gerry) Länger am 2. Juli 2026. Zuletzt aktualisiert am 11. August 2026.

Moin – Namaste

So entstehen deine Lieblingsstücke

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Zwischen Schleswig-Holstein und Indien liegen mehr als 7.000 Kilometer. Mit dem Hochfahren ihres PCs macht Gerry jeden Morgen einen digitalen Sprung auf einen anderen Kontinent.

Als Entwicklerin der HANS NATUR-Produkte gehört der Austausch mit unseren Partnern in Indien zu ihrem Arbeitsalltag. Was von außen wie eine abstrakte Lieferkette wirkt, ist in Wirklichkeit eine langjährige Partnerschaft – geprägt von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und der gemeinsamen Leidenschaft, gute Produkte für Familien zu entwickeln.

Wie lebendig diese Verbindung zwischen Norddeutschland und Indien ist und wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein HANS-NATUR-Produkt entsteht, erzählt Gerry hier.

Ein wundersamer Wollschlafsack

Wenn ich morgens meinen PC einschalte, warten meistens schon Nachrichten von unseren fünf Produzenten in Indien auf mich. Es geht um Waschkennzeichen, Banderolen, neue Bestellungen oder um die Lieferung. Am spannendsten wird es aber immer dann, wenn wir gemeinsam mit ihnen ein neues Produkt entwickeln – so wie bei unserem neuen Merino-Wollschlafsack für Neugeborene.

Ich kontaktierte den Produzenten, von dem wir bereits fantastische Wollprodukte beziehen, schickte ihm die Wunschmaße für den neuen Schlafsack und bat um ein erstes Muster. Schon nach anderthalb Wochen lag es auf meinem Schreibtisch. Ich staune jedes Mal wieder, wie schnell unsere Kollegen in Indien unsere Ideen in ein fertiges Muster umsetzen.

Gerry nutzt die Waschmaschine in der Schneiderei

Jetzt begann der Teil der Produktentwicklung, den später kaum jemand sieht: das Testen. Denn bevor ein neues Produkt in den Shop kommt, muss es sich erst einmal im Alltag beweisen.

Je nach Material testen wir ein neues Produkt zunächst in der Maschinenwäsche oder per Handwäsche, um zu sehen, wie es sich im Alltag verhält. Bei Textilien, die später per Hand gewaschen werden sollen, spanne ich zu Hause auch gerne mal meinen Mann ein. Ich gebe ihm das schöne Stück und frage: „Hier schau mal – wie würdest du das waschen?“
Es ist total spannend zu sehen, wie jemand an die Sache herangeht, der nicht täglich mit Textilien arbeitet.

So haben wir es auch mit dem Muster des neuen Baby-Schlafsacks gemacht. Beim ersten Waschtest erlebten wir allerdings eine Überraschung: Mit jedem Waschgang wurde er ein Stück länger. Er hörte einfach nicht auf zu wachsen. Am Ende hätte fast ein achtjähriges Kind reingepasst! Wir haben ziemlich gelacht.
Also habe ich dem Partner in Indien geschrieben: „Hallo, der neue Babyschlafsack hat noch ein Problem. Wir müssen anders stricken.“ Zusammen mit einem Strickbeispiel haben wir unsere Vorstellungen nach Indien geschickt. So wussten unsere Partner ganz genau, was wir meinten.
Damit war das Problem gelöst.

Jetzt begann die eigentliche Feinarbeit. Wir haben die Ärmel verändert, die Knopfleiste überarbeitet und gemeinsam über Farben, Knöpfe und viele kleine Details diskutiert. Immer wieder kam ein neues Muster aus Indien. Immer wieder wurde geprüft, getestet und weiterentwickelt.

Bis unser Merino-Schlafsack schließlich genau so war, wie wir ihn haben wollten, vergingen fast zwei Jahre. Erst dann war er bereit für unsere kleinen Kundinnen und Kunden.

Von Troddeln und Farben

Unsere Partner in Indien sind unglaublich kreativ und schicken uns regelmäßig neue Entwürfe. Ein echtes Highlight war zum Beispiel die Halloween-Geisterdecke, die mir sofort ins Auge fiel. Die haben wir direkt in unser Sortiment aufgenommen.

Halloween Geister Decke

Manchmal muss ich allerdings schmunzeln, wenn unsere Partner uns neue Produkte vorstellen. Viele sind natürlich von der indischen Kultur geprägt: mit leuchtenden Farben und gerne auch mit bunten Troddeln.

Ich sage dann meistens: „Der Entwurf und das Strickmuster sind super! Bitte einmal ohne Troddeln – und wir brauchen etwas dezentere Farben.“ So arbeiten wir gemeinsam an einem Entwurf, bis das Produkt perfekt zu unserem Shop passt.

Neben den Entwürfen überraschen uns manchmal auch die Materialien selbst. Das Spannende an Bio-Baumwolle oder Wolle ist: Sie bleiben Naturprodukte, die natürlichen Schwankungen unterliegen. Wenn es zum Beispiel in einem Jahr in Indien mehr geregnet hat als im anderen, nimmt unbehandelte Baumwolle die Farbe etwas anders an. In einer Lieferung waren unsere Mullwindeln deshalb einmal lachsfarben statt cremeweiß. So ist eben Natur. Die meisten Kundinnen haben es damals mit Humor genommen.

Farbmuster und Strickmuster

Schnittmuster-Rätsel und widerspenstige Nähte

Dass wir bei Problemen immer eine Lösung finden, verdanken wir unserer engen Zusammenarbeit – selbst wenn es mal richtig knifflig wird. Bei unserer Kinder-Unterwäsche haben wir fast ein Dreivierteljahr an den Schnitten gefeilt, weil die Muster des indischen Herstellers einfach nicht zu unseren Größenvorgaben passten. Bei Kindergrößen geht es oft um einen halben Zentimeter.

Unsere Waschmaschine lief im Dauereinsatz. Wir haben die Sachen im feuchten, trockenen und gewaschenen Zustand vermessen – ich hatte am Ende einen ganzen Ordner voller Messprotokolle! Aber die Abweichungen rissen einfach nicht ab. Schließlich bat uns der Hersteller um Fotos. Er wollte ganz genau sehen, an welchem Punkt wir das Maßband anlegen. Und genau das war es: Dort arbeiteten sie einfach mit einem anderen Messansatz. Sobald das geklärt war, lief es wie am Schnürchen.

Ein ganz ähnliches Auge fürs Detail brauchten wir auch bei unseren Waschlappen – einem absoluten Dauerbrenner. Hier gab es anfangs das Problem, dass der Saum einriss. Ich habe mich im Team mit unserer Schneiderin und der Produkteinkäuferin zusammengesetzt, um zu grübeln, welche Naht besser halten würde. Wir haben die Varianten hier ausprobiert und dem Partner dann direkt die perfekte Lösung präsentiert, damit er nicht lange experimentieren muss. So arbeiten wir Hand in Hand, um die halbe Welt.

Wenn die Grammzahl nicht stimmt

Unsere Kolleginnen inspizieren neue Produkte

Unsere Produkte sind GOTS-zertifiziert – das ist das weltweit führende Zertifikat für Bio-Textilien. Auch das gehört für mich zur Produktentwicklung. Denn erst wenn alle Nachweise stimmen, ist ein Produkt wirklich fertig.

Für jeden Artikel bekommen wir ein „Transaction Certificate“ (TC), das die lückenlose Bio- und Sozialkette nachweist: vom Schaf oder der Baumwollpflanze über den Faden bis zum fertigen Produkt.

Dieses System ist ausgesprochen streng. Wir hatten mal den Fall, dass ein Zertifikat gesperrt wurde, weil das Gewicht der Baumwolle um ein paar Gramm vom Lieferschein abwich. Da verstehen die Prüfbehörden keinen Spaß. Das Zertifikat war weg und wir mussten sofort alle GOTS-Logos aus dem Onlineshop und vom Produkt entfernen.

Im ersten Moment ist das natürlich ein riesiger Schreck und extrem viel Arbeit. Aber es zeigt mir auch, wie sauber und unbestechlich die Kontrollen auf allen Seiten durchgeführt werden. Man kann sich zu 100 Prozent auf das GOTS-Siegel verlassen.

Mehr als nur Business: Faire Chancen über Grenzen hinweg

Reise nach Indien zu unseren Partnern

Der gesamte Prozess hin zum fertigen Produkt in unserem Shop ist nachhaltig. Die Bio-Baumwolle wird direkt in Indien angebaut, im selben Land verarbeitet, gefärbt und genäht. Es gibt keine absurden Transportwege – ganz anders als bei Nordseekrabben, die zum Pulen nach Marokko gefahren und wieder zurückgeschifft werden. In Indien passiert alles in einer Region, und das fertige Produkt kommt auf direktem Weg zu uns nach Schleswig-Holstein. Das Geld und die Wertschöpfung bleiben bei den Menschen vor Ort, die die eigentliche Arbeit machen.

Und ihre Arbeitsbedingungen sind gut. Die Kolleginnen und Kollegen in den Fabriken vor Ort arbeiten in klimatisierten Räumen, werden mit dem Bus abgeholt und erhalten ein Mittagessen. Ein anderer Produzent bietet alleinerziehenden Frauen die Möglichkeit zur Heimarbeit. Sie könnten sonst nicht in einer oft weit entfernten Fabrik arbeiten, weil sie ihre Kinder betreuen müssen. Durch diese Arbeit sind sie unabhängiger, können ihre Familien ernähren und ihren Kindern oft eine Schulausbildung ermöglichen. Dass gute Arbeitsbedingungen eingehalten werden, garantiert das GOTS-Siegel ebenfalls.

Über Kontinente verbunden

Herr Hans Hans pflanzt in Indien Bäume und setzt ein Zeichen
Flugzeug und die Sonne geht am Horizont auf
Herr Hans pflanzt einen Baum

Herr Hans hat in den vergangenen 10 bis 15 Jahren unglaublich enge, fast familiäre Partnerschaften in Indien aufgebaut. Er war selbst oft vor Ort und hat dort gemeinsam mit den Produzenten sogar Bäume gepflanzt. Wie tief diese Beziehungen sind, merken wir besonders dann, wenn unsere Partner uns in Deutschland besuchen.

Einmal war der Produzent bei uns, von dem wir unsere Musselin-Artikel und Waschlappen beziehen. Es war ein unglaublich herzliches Treffen. Als wir abends noch gemeinsam aßen, telefonierten wir spontan mit seiner großen Familie in Indien.

Ich muss aber auch zugeben: Nach neun Stunden intensivem fachlichen Austausch und ununterbrochenem Indisch-Englisch war ich fix und fertig – und gleichzeitig unglaublich erfüllt. Das ging unseren Gästen wohl auch so. Diese gemeinsame Anstrengung schweißt zusammen.

Die Besuche verändern und stärken das Verhältnis nachhaltig. Wenn man sich einmal in die Augen geschaut hat, schreibt es sich per Mail danach ganz anders.

Unsere Partnerschaft geht weit über das Geschäftliche hinaus: Über Kontinente hinweg arbeiten wir als ein Team am selben Ziel – die Dinge wirklich besser zu machen.

Wenn ein neues Produkt im Shop erscheint, sehen unsere Kundinnen und Kunden einen fertigen Schlafsack, eine Decke oder ein Kleidungsstück.

Für mich ist es viel mehr.

Ich sehe Muster, die hin und her geschickt wurden.

Ich denke an den Schlafsack, der immer länger wurde.

An bunte Troddeln.

An meinen Mann, der zu Hause zum Produkttester wurde.

Und an die vielen Menschen auf beiden Seiten der Welt, die gemeinsam so lange daran gearbeitet haben, bis alles gepasst hat.

Unsere Kolleg: innen bei der Arbeit

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Qualitätsmanagement & Produktentwicklung

Geraldine begleitet unsere Produkte von der ersten Idee bis zur fertigen Kollektion. Gemeinsam mit unseren Partnern in Indien entwickelt sie neue Artikel, koordiniert die Qualitätssicherung und kümmert sich um Reklamationen – immer mit einem Blick fürs Detail.